Rundbrief III/2015: Money for Nothing – Krise als Geschäftsmodell

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Rundbrief III/2015: Money for Nothing – Krise als Geschäftsmodell

 

Im September 2015 wurden die Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) und die dazugehörige 2030-Agenda von der UN verabschiedet. Mit der 17 Ziele und 169 Unterziele umfassenden Agenda sollen quasi alle zentralen Herausforderungen der Menschheit angegangen werden. Von Armuts- und Hungerbekämpfung, über Sicherheits- und Friedenspolitik, Umweltschutz für Land, Wasser und Meere bis hin zu nachhaltigem Wirtschaften.

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Beschreibung

Im September 2015 wurden die Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) und die dazugehörige 2030-Agenda von der UN verabschiedet. Mit der 17 Ziele und 169 Unterziele umfassenden Agenda sollen quasi alle zentralen Herausforderungen der Menschheit angegangen werden. Von Armuts- und Hungerbekämpfung, über Sicherheits- und Friedenspolitik, Umweltschutz für Land, Wasser und Meere bis hin zu nachhaltigem Wirtschaften. Die Präambel der Erklärung ziert dabei das schöne Zitat: „Wir können die erste Generation sein, die es schafft, Armut zu beenden. Genauso wie wir auch die letzte sein könnten, die es schafft den Planeten zu retten. Wenn wir unsere Ziele bis zum Jahr 2030 erreichen, werden wir eine bessere Welt haben.“

 

Eine schöne Vision, die gleichwohl einen bitteren Beigeschmack erzeugt. Denn wenn man die Zeitungen aufschlägt, sieht es nun wirklich nicht danach aus, als ob wir uns auf dem Weg zu einer besseren Welt befinden würden. Tatsächlich scheint eine Krise der anderen zu folgen. Ob es die schrecklichen Kriege im Nahen Osten sind, der menschenunwürdige Umgang mit geflüchteten Menschen in Europa und an seinen Grenzen, die schon vier Jahre dauernde Dürre in Kalifornien, das Korallensterben am Great Barrier Reef… man könnte endlos weiter aufzählen. Wie kommt es, dass sich einerseits die UN-Mitgliedsstaaten auf einen der komplexesten Kataloge seit der Schaffung ihrer Charta verständigen? Und andererseits Ungleichheiten, Umweltzerstörung und Gewalt immer weiter zunehmen?

 

Besonders anschauliches Beispiel ist der Finanzsektor. Wie kann es sein, dass in Griechenland die Armut drastisch zunimmt und Sozialleistungen massiv abgebaut werden, während Deutschland durch den Kauf deutscher Staatsanleihen durch Investoren allein 2014 40,6 Milliarden Euro Zinsersparungen verzeichnen konnte? Wie kann es sein, dass Milliarden in die Rettung von Banken gesteckt wurden, der Bankensektor aber mittlerweile wieder Gewinne in ebenso großen Dimensionen verzeichnet? Wie kann es sein, dass weltweit fast 800 Millionen Menschen an Hunger leiden, und gleichzeitig an der Börse Profite mit Nahrungsmittelspekulationen gemacht werden, die deren Preise in die Höhe schnellen lassen?

 

Klar ist, hinter Krisen stecken auch immer Gewinner. Hinter Ungleichheit der Wunsch den Status Quo aufrechtzuerhalten. Dass sich 193 Staaten darauf geeinigt haben, Ziele für eine nachhaltige Entwicklung zu verabschieden, ist eine bemerkenswerte Leistung. Dass sie tatsächlich die globalen Krisen lösen werden, steht allerdings im Gegensatz zum Interesse vieler dieser Staaten – und transnationaler Konzerne – an Krisen zu verdienen.

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