Rundbrief III/2021: Übernutzte Wälder. Unser widersprüchliches Verhältnis zum Wald

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Rundbrief III/2021: Übernutzte Wälder. Unser widersprüchliches Verhältnis zum Wald

 

Bei dieser Ausgabe haben wir uns ernsthaft überlegt: Können wir sie drucken? Die Preise für Papier, Bauholz & Co. steigen rapide, Nachschub bleibt aus. Und den Wäldern geht es schlecht. Die vielgepriesenen Lungen der Erde werden vergiftet, verbrannt, gerodet, in Ackerland oder Plantagen verwandelt, Lebensräume und Ökosysteme werden zerstört, das globale Artensterben befeuert. Wofür? Für mehr Konsum. Noch mehr Papier, mehr Tierfutter, mehr Biosprit, mehr Rinder, mehr. Ein immer gefräßigeres, gierigeres Monster frisst sich durch Wälder überall auf der Welt. Und das nicht erst seit gestern. Wir werfen einen Blick auf den Zustand der Wälder: Hoffnungsträger im Kampf gegen den Klimawandel und sterbenskranke Patienten.

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Beschreibung

Bei dieser Ausgabe haben wir uns ernsthaft überlegt: Können wir sie drucken? Die Preise für Papier, Bauholz & Co. steigen rapide, Nachschub bleibt aus. Und den Wäldern geht es schlecht. So richtig mies. Die vielgepriesenen Lungen der Erde werden vergiftet, verbrannt, gerodet, in Ackerland oder Plantagen verwandelt, Lebensräume und Ökosysteme werden zerstört, das globale Artensterben befeuert. Wofür? Für mehr Konsum. Noch mehr Papier, mehr Tierfutter, mehr Biosprit, mehr Rinder, mehr. Ein immer gefräßigeres, gierigeres Monster frisst sich durch Wälder überall auf der Welt. Und das nicht erst seit gestern. Dass die aktuellen Ackerflächen reichen, wir nicht mehr brauchen, sondern sie nur ökologisch pfiffiger einsetzen müssen, haben Sie im vergangenen Rundbrief gelesen. Diesmal werfen wir einen Blick auf den Zustand der Wälder: Hoffnungsträger im Kampf gegen den Klimawandel und sterbenskranke Patienten.

 

In vielen umwelt- und klimapolitischen Debatten spielen Wälder eine wichtige Rolle. Lászlo Máraz schreibt darüber, wie grenzloser Konsum Wälder ins Burnout treibt und plädiert dafür, am Patienten Wald nicht weiter herumzudoktern! Jana Ballenthien und Kenneth Richter gehen der Frage nach, warum in Europa immer mehr Wälder aus aller Welt verfeuert werden und ob Holz nun die neue Kohle sei. Wer jetzt noch auf Schutzgebiete hofft, den belehrt Norbert Panek eines Besseren: Auch hier schädigt Forstwirtschaft die biologische Vielfalt. Die Intensität der Holznutzung und der Anbau standortfremder Baumarten verhindern, dass sich Waldökosysteme naturnah entwickeln können. Aber die forstwirtschaftliche Nutzung ist nicht allein schuld an der Misere der Wälder. Evelyn Schönheit und Sergio Baffoni werfen einen genaueren Blick darauf, wie Papierhunger Wälder zerstört und so lokale und indigene Gemeinschaften von ihrem Land vertrieben werden. Für diese Vertreibung und Landraub gibt es leider noch viel zu viele Beispiele und sie werden viel zu selten thematisiert. Daher schreibt Thomas Fatheuer über Jair Bolsonaros Kampf gegen Indigene und deren Widerstand gegen die verheerende Politik des Präsidenten.

 

Sich einen grünen Anstrich geben, das möchte auch die Wasserkraftindustrie. Thilo Papacek wirft einen Blick auf ihr nachhaltiges Imageproblem und ihre neuen Nachhaltigkeitsstandards für geplante Staudammprojekte. Aber nicht nur diese Konzernvorstände lassen uns mit Kopfschütteln zurück. Elon Musk fliegt bekanntlich ins All. Auch wenn ihn manche gerne zum Mond schießen würden: Marie-Luise Abshagen geht der Frage nach, warum es uns etwas angeht, dass der Mitbegründer und CEO von Tesla auf den Mars will – und das im zweiten Jahr der Corona-Pandemie. Die hat nicht nur die Schwächen der Globalisierung verdeutlicht und durch die eigene Betroffenheit auch zum Thema der Industrienationen gemacht, sondern vor allem die Probleme globaler, rationalisierter Lieferketten offenbart, Ungleichheiten verschärft, die Fragilität der Gesundheitssysteme und die Notwendigkeit eines gerechten Zugangs zu Gesundheitsdiensten auf der ganzen Welt aufgezeigt. Nelly Grotefendt schreibt über die Macht der Pharmakonzerne über die Gesundheit vieler.

 

Doch ganz gleich welche Ergebnisse und Ziele zwischenstaatliche Konferenzen verabschieden, ihre Umsetzung wird nur gelingen, wenn die Weltgemeinschaft, die einzelnen Länder und Regionen dazu in der Lage sind, strukturellen und systemischen Wandel zu organisieren. Um für diese Herausforderung Lösungsansätze zu diskutieren, hat das Forum Umwelt & Entwicklung im September 2021 ein neues Projekt unter dem Label „Plattform Transformative Finanzpolitik“ gestartet, das Wolfgang Obenland vorstellt.

 

Klima, Höfe und Tiere verzeihen keine weiteren agrarpolitischen Blockaden. Zum Abschluss lesen Sie, warum das Wir haben es satt!-Bündnis auch 2022 wieder – mit Abstand – auf die Berliner Straßen geht.

 

 

Ob gedruckt oder digital – ich wünsche Ihnen eine bereichernde und ermutigende Lektüre sowie alles Gute.

 

Ramona Bruck

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