Rundbrief II/2017: Jobs, Jobs, Jobs – Gute Arbeit in einer nachhaltigen Zukunft?

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Rundbrief II/2017: Jobs, Jobs, Jobs – Gute Arbeit in einer nachhaltigen Zukunft?

 

Es ist Wahlkampfzeit und das Thema Arbeitsplätze steht somit ganz oben auf der politischen Agenda. Wie vor jeder Wahl fragen sich die Menschen, welche Weichen ihre künftige Regierung stellen wird, damit sie in Arbeit bleiben oder zu Arbeit kommen. Dabei geht es nicht nur um die Beschäftigungsquote, sondern vor allem auch um die Qualität der Arbeitsplätze, jetzt und in der Zukunft. Neue Technologien, die Digitalisierung, die fortschreitende Globalisierung und der damit einhergehende Strukturwandel stellen uns vor große Herausforderungen.

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Beschreibung

Es ist Wahlkampfzeit und das Thema Arbeitsplätze steht somit ganz oben auf der politischen Agenda. Wie vor jeder Wahl fragen sich die Menschen, welche Weichen ihre künftige Regierung stellen wird, damit sie in Arbeit bleiben oder zu Arbeit kommen. Dabei geht es nicht nur um die Beschäftigungsquote, sondern vor allem auch um die Qualität der Arbeitsplätze, jetzt und in der Zukunft. Neue Technologien, die Digitalisierung, die fortschreitende Globalisierung und der damit einhergehende Strukturwandel stellen uns vor große Herausforderungen. So befürchten einer vom Bundesministerium für Bildung und Forschung in Auftrag gegebenen Studie zufolge 81 Prozent der Menschen in Deutschland, dass durch die technologische Entwicklung immer mehr Menschen beruflich abgehängt werden. Glaubt man Angela Merkel, geht es beim Thema Arbeit jedoch zuerst um Innovation und dann um Gerechtigkeit. Letzteres müsse sich aus den Innovationen entwickeln, so die Kanzlerin nach dem Wahlsieg ihrer Partei in Nordrhein-Westfalen im Mai 2017. Aber wie können wir es zulassen, dass sich Innovation und Gerechtigkeit ausschließen? Ist nicht der Sinn von Innovation, das Leben der Menschen zu verbessern? Verbesserung für wen ist hier wohl die Frage.

 

Es ist doch schizophren: Deutschland geht es so gut wie nie. Es gehört zu den reichsten Ländern der Welt und dennoch wächst hier die soziale Ungleichheit schneller als in jedem anderen Industrieland. Geschuldet ist dies vor allem der zu einseitigen Gewinnverteilung zugunsten von Unternehmen und der neoliberalen Deregulierungspolitik gleichermaßen auf den Arbeits-, Finanz-, Güter- und Dienstleistungsmärkten.

 

Diese Entwicklung vollzieht sich weltweit. An vielen Orten mit sehr viel drastischeren Auswirkungen als in Deutschland, aber durch unsere Arbeits- und Wirtschaftsweise mitverursacht. Im Namen der Wettbewerbsfähigkeit werden Arbeitsplätze z. B. dorthin ausgelagert, wo die Lohnnebenkosten am niedrigsten sind. Sozialdumping im globalen Maßstab geht dabei oft mit Prekarisierung, menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen und der Unterdrückung von Gewerkschaften einher. Ein Produkt wird zudem kaum noch in einem einzelnen Land geschaffen, sondern entsteht häufig aus hunderten Einzelteilen entlang globaler Produktions- und Lieferketten, in denen organisierte Verantwortungslosigkeit herrscht. Verbunden ist dies mit enormen Umwelt- und Klimaproblemen, zulasten zuerst der Menschen im Globalen Süden.

 

Überhaupt dürfen wir über die Zerstörung der Natur – unserer Lebensgrundlage – nicht schweigen, wenn wir über Arbeit und Zukunft reden. Dabei wiegt die Angst vor wegfallenden Arbeitsplätzen oft schwer, wie sich z. B. beim Ausstieg aus der Kohleförderung und anderen fossilen Rohstoffen zeigt. Die Chancen der Energiewende und Möglichkeiten politischer Instrumentarien wie einer ökologischen Steuer- und Finanzreform bleiben dabei oft viel zu ungenau analysiert, wenngleich schwer vorhersagbar. Auch im Verkehrssektor stellt sich die Frage, welche politischen Rahmenbedingungen gesetzt werden müssen, um eine umwelt- und klimafreundliche Industriepolitik zu ermöglichen, die auch den Wandel für die Beschäftigten in der Branche berücksichtigt. Das Thema Arbeitsplätze verknüpft also unausweichlich soziale, ökologische und wirtschaftliche Belange und berührt dabei immer auch die Frage nach Gerechtigkeit – nicht nur lokal, sondern auch global. Einfache Antworten gibt es nicht. Einige Denkanstöße und Lösungsansätze möchte diese Ausgabe des Rundbriefs dennoch geben.

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