Rundbrief II/2011 – Energiewende in nur einem Land? Ausländische Blicke auf Deutschland

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Rundbrief II/2011 – Energiewende in nur einem Land? Ausländische Blicke auf Deutschland

 

„Die Kehrtwende Angela Merkels bei der zivilen Nutzung der Atomenergie ist spektakulär“, schrieb die französische Zeitung Le Figaro. Von einer „Pionierrolle“ spricht die Zürcher Zeitung, „als Modell für andere Länder“ sieht die italienische La Stampa den deutschen Atomausstieg. Dies sind nur einige der zahlreichen internationalen Pressestimmen der vergangenen Wochen. Kein Zweifel, der deutsche Atomausstieg und die Energiewende werden auch im Ausland mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Diese Ausgabe des Rundbriefs nimmt deshalb die Sicht anderer Länder auf Deutschland in den Blickpunkt.

 

 

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Beschreibung

„Die Kehrtwende Angela Merkels bei der zivilen Nutzung der Atomenergie ist spektakulär“, schrieb die französische Zeitung Le Figaro. Von einer „Pionierrolle“ spricht die Zürcher Zeitung, „als Modell für andere Länder“ sieht die italienische La Stampa den deutschen Atomausstieg. Dies sind nur einige der zahlreichen internationalen Pressestimmen der vergangenen Wochen. Kein Zweifel, der deutsche Atomausstieg und die Energiewende werden auch im Ausland mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Diese Ausgabe des Rundbriefs nimmt deshalb die Sicht anderer Länder auf Deutschland in den Blickpunkt.

 

Wie sind die Reaktionen auf den Atomausstieg in den Medien, der Politik, bei den NRO? Was hat sich in Asien, den USA und Europa seit Fukushima verändert und könnte Deutschland tatsächlich eine Vorreiterrolle einnehmen auf dem Weg zu einer globalen Energiewende? Die deutschen Entwicklungen werden neugierig, wenn auch skeptisch beobachtet. In Ländern wie den USA und Polen beispielsweise scheint ein ähnlicher Schritt in weiter Ferne. Und doch sind die Menschen seit Fukushima für die Gefahren der Atomkraft sensibilisiert. In Japan wurde beispielweise unlängst von der oppositionellen Sozialdemokratischen Partei ein Atomausstiegsprogramm, nach Vorbild der deutschen Politik von SPD und Grünen, vorgelegt. In China konnten zivilgesellschaftliche Gruppen kürzlich aufdecken, dass eines der chinesischen Atomkraftwerke auf einer Erdbebenfalte steht. Die polnischen Umwelt-NRO bezeichnen die deutsche Energiepolitik sogar als „Heiligen Gral“. Und dennoch sprechen viele von einer schnellen, gefühlsbetonten Entscheidung der Deutschen. Die Herausforderungen sind enorm, der Erfolgsdruck gewaltig: Viele Befürworter der Atomenergie warten nur auf ein Scheitern der Deutschen bei dem Umstieg auf Erneuerbare Energien, um diese dann als unzuverlässig und überteuert dazustellen. Auch unter deutschen NROs wird bereits Kritik laut: Sie nennen den Atomausstieg halbherzig, bezeichnen ihn als zu langsam und befürchten, die Regierung könnte sich ein Hintertürchen offen lassen.

 

Tatsächlich wurde die Förderung der Erneuerbaren Energien nach Fukushima nicht erhöht und Klimaschützer warnen schon jetzt vor einem Ausbau von Kohlekraftwerken. Neben all den Risiken sollten wir, und auch unsere ausländischen Nachbarn, aber nicht die Chancen und Möglichkeiten vergessen, die der „Testballon“ deutsche Energiewende bieten kann: Wenn Deutschland erfolgreich seine Erneuerbaren Energien ausbaut, dann kann es nicht nur eine Führungsrolle bei der Europäischen Union in Brüssel, sondern auch global einnehmen und zum Wegbereiter der erforderlichen „Green Economy“ werden. Dabei bleibt auch für uns als Zivilgesellschaft eine Menge zu tun.

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