Rundbrief III/2017: Die Wissenschaft hat festgestellt … Forschung zwischen Geld, Macht und Gemeinwohlinteressen

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Rundbrief III/2017: Die Wissenschaft hat festgestellt … Forschung zwischen Geld, Macht und Gemeinwohlinteressen

 

Wer Politik macht, beruft sich gerne auf wissenschaftliche Erkenntnisse, um seine Argumentation zu untermauern. Das gilt für Regierungen, Parteien, Industrielobbys und für Nichtregierungsorganisationen gleichermaßen. Wer die Wissenschaft auf seiner Seite hat, hat doch recht, oder? Aber so einfach ist es leider nicht, weil auch die Wissenschaft nicht neutral im luftleeren Raum agiert, sondern genauso wie alle in der Gesellschaft Interessen, Zwängen und Abhängigkeiten ausgesetzt ist.

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Wer Politik macht, beruft sich gerne auf wissenschaftliche Erkenntnisse, um seine Argumentation zu untermauern. Das gilt für Regierungen, Parteien, Industrielobbys und für Nichtregierungsorganisationen gleichermaßen. Wer die Wissenschaft auf seiner Seite hat, hat doch recht, oder? Aber so einfach ist es leider nicht, weil auch die Wissenschaft nicht neutral im luftleeren Raum agiert, sondern genauso wie alle in der Gesellschaft Interessen, Zwängen und Abhängigkeiten ausgesetzt ist.

 

Der Wissenschafts-Mainstream ist für die Klimabewegung Verbündeter, für die Agrar-Opposition Gegner, für die FreihandelskritikerInnen ebenfalls Gegner, genauso wie für die Automobilindustrie im Diesel-Skandal – warum ist das so? Ist Wissenschaft nicht genauso abhängig von Geld und Macht, wie alle anderen auch?

 

In Zeiten von intransparenter Drittmittelfinanzierung und verdeckter Einflussnahme wirtschaftlicher und politischer AkteurInnen auf die Wissenschaft droht sie sich in manchen Feldern instrumentalisieren zu lassen. So belegen von Bayer in Auftrag gegebene Studien scheinbar die Unbedenklichkeit gentechnisch-veränderter Organismen, von Coca-Cola gesponserte Forschung versucht zu widerlegen, dass zuckerhaltige Getränke krank machen und so manche VerkehrswissenschaftlerInnen bestätigen VW und Co. darin, dass der dringend nötigen Verkehrswende im Autoland Deutschland auch mit Software-Updates genüge getan ist. Droht die Wissenschaft sich zu diskreditieren, wenn sie sich so offenkundig an der Gesellschaft vorbeipositioniert, wie es z. B. so manche Agrar-, Ernährungs- und VerkehrswissenschaftlerInnen tun?

 

Es geht aber auch anders, im Klimabereich scheinen sich die ForscherInnen abgesehen von einigen wenigen nach wie vor der fossilen Lobby entgegenzustellen und auf allen Ebenen hohes

 

Vertrauen zu genießen. Im Falle der Energiewende trat die kritische Wissenschaft schon früh auf den Plan und war sehr hilfreich für die Anti-Atom-Bewegung in den 1980ern.

 

Allerdings werden die Stimmen, die sowohl die Abgehobenheit, beispielsweise der WirtschaftswissenschaftlerInnen, oder auch die mangelnde Inklusion hierzulande, z. B. Schwarzer Menschen, in der akademischen Welt beklagen, immer lauter.

 

Für die Zivilgesellschaft bedeutet all dies vor allem eines: Egal, ob hier Freund oder da Feind, das Ziel muss sein, die Wissenschaft wieder in erster Linie in den Dienst der Gesellschaft und des Gemeinwohls zu stellen. So wird die Forderung nach einer „Forschungswende“ inklusive einer Demokratisierung der Wissenschaft immer deutlicher formuliert. Und auch wenn klar ist, dass Drittmittelfinanzierungen und Auftragsstudien auch in Zukunft an der Tagesordnung sein werden, so muss dies doch zumindest transparent geschehen.

 

„Die Wissenschaft hat festgestellt …“ darf nicht zu einer inhaltsleeren Phrase werden und sowohl die Themensetzung, als auch die Durchführung müssen transparent und unter Einbeziehung und im Interesse der Bevölkerung vonstattengehen. Einen ersten Schritt in Richtung Aufklärung bietet diese Ausgabe.

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