Rundbrief I/2021: Globalisierung ’21 | Neue Rezeptur, alte Probleme

0,00 

Rundbrief I/2021: Globalisierung ’21 | Neue Rezeptur, alte Probleme

Das Jahr 2020 lässt Beobachterinnen und Beobachter der internationalen Politik mit einem Schleudertrauma zurück. Verheerende Waldbrände, Brexit, COVID-19-Pandemie, eskalierenden Handelskriege, Verschiebung von Umweltkonferenzen, die die Weichen für die Zeit bis mindestens 2030 stellen sollten – um nur einiges zu nennen. Weil auch uns ganz schwindelig wurde, haben wir für diese Ausgabe des Rundbriefs ausgewiesene ExpertInnen angefragt, uns auf den Stand der Dinge zu bringen.  Wie steht’s um die globale Marktintegration?  Welche Trends lassen sich erkennen, wie gehen internationale Organisationen wie das WEF, die WTO oder auch die G20 mit der Zeit… oder auch nicht und warum nicht?  Diese  Fragen beleuchten unsere Fachautorinnen  aus ganz verschiedenen Perspektiven.

Category:

Description

Das Jahr 2020 lässt Beobachterinnen und Beobachter der internationalen Politik mit einem Schleudertrauma zurück. Es begann mit Ereignissen, die wirklich nichts Gutes für die Zukunft erwarten ließen. Australien brannte, im Nahen Osten drohte nach der gezielten Tötung des iranischen Generals Soleimani ein erneuter blutiger Konflikt. Am 31. Januar verließ das Vereinigte Königreich nach langem Tauziehen endgültig die Europäische Union, verhandelte aber weiter über die handelspolitischen Folgen. Im Februar und März trat dann die COVID-19-Pandemie offen zu Tage und führte zu den größten ökonomischen und sozialen Verwerfungen seit dem Zweiten Weltkrieg. Die globale Krise brachte aber keineswegs mehr globale Zusammenarbeit. Im Mai traten die Vereinigten Staaten aus der Weltgesundheitsorganisation aus, der sie zu große Nähe zu China unterstellten. Die G20 waren nur eingeschränkt zu effektiven Reaktionen in der Lage, auch bedingt durch den wachsenden Gegensatz zwischen den USA und China, der auch im eskalierenden Handelskrieg zu beobachten war. Dass gerade die internationale Handelspolitik konfliktiv ausgetragen wurde, symbolisiert der Rücktritt des Generaldirektors der Welthandelsorganisation Roberto Azevêdo zum 31. August. Wichtige Umweltkonferenzen, die die Weichen für die Zeit bis mindestens 2030 stellen sollten, wurden verschoben, von den Vertragsstaatenkonferenzen zur Biologischen Vielfalt und zum Schutz des Klimawandels bis zum internationalen Chemikalienmanagement. Am 4. November 2020 trat außerdem der Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaabkommen in Kraft. Zum Jahresende hin wurde allerdings deutlich, dass Einigungen zumindest noch dort möglich sind, wo ökonomische Interessen das angezeigt erscheinen lassen. Mitte November verabschiedeten 15 Staaten mit der Regional Comprehensive Economic Partnership (RCEP) die größte Freihandelszone der Welt. In den Weihnachtstagen einigten sich zuletzt die EU und das Vereinigte Königreich auf einen Deal über die handelspolitischen Folgen des Brexit. Geradezu euphorisch waren außerdem die Reaktionen auf die Abwahl Donald Trumps, in dem viele ein Signal für eine Krise rechtspopulistischer Bewegungen zu erkennen meinen.

 

Weil auch uns ganz schwindelig wurde, haben wir für diese Ausgabe des Rundbriefs ausgewiesene ExpertInnen angefragt, uns auf den Stand der Dinge zu bringen. Joseph Purugganan ordnet RCEP für uns ein, Jürgen Knirsch wirft einen Blick auf den Zustand der WTO. Heike Joebges beleuchtet die Folgen der Pandemie für die globalen Lieferketten, Ellen Ehmke für die Entwicklung globaler Ungleichheiten. Oliver Classen bewertet, wie es mit dem Weltwirtschaftsforum weitergehen dürfte, Jürgen Maier die Zukunft der Clubformate G20 und G7. Manuel Montes erklärt die Rolle der Sonderziehungsrechte und Leitwährungen, Nelly Grotefendt den angedachten Carbon Border Adjustment Mechanism der EU. Alessa Hartmann ordnet einen Schiedsspruch zum Handelsabkommen zwischen der EU und Südkorea für uns ein. Max Bank analysiert das EU-Brexit-Abkommen, Alexander Fanta rüttelt am „Goldenen Käfig des Silicon Valley“. Darüber hinaus beschäftigen sich Autorinnen und Autoren mit der Zukunft: Marie-Luise Abshagen gibt einen Ausblick auf das Hochrangige Politische Forum für nachhaltige Entwicklung, Bodo Ellmers auf die Zukunft der Finanzierung nachhaltiger Entwicklung. Ramona Bruck schreibt über den Esel-Gesundheits-Handels-Nexus, Laszlo Maraz über Biomassepolitik, Verena Günther über die Good Food Good Farming-Strategie, Dorothee Saar über eine Klage zum nationalen Luftreinhalteprogramm.
Da sollte doch für alle was dabei sein.

share on