Rundbrief I/2020 Vermarktete Meere | Wer verdient an der Zerstörung der Ozeane?

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Rundbrief I/2020 Vermarktete Meere | Wer verdient an der Zerstörung der Ozeane?

 

Dieser Rundbrief erscheint in turbulenten Zeiten – während wir uns an unsere Heimarbeitsplätze zurückziehen konnten und sozial distanzieren, richtet sich wenige hundert Meter von unserem Büro die Charité auf schwere Krankheitsverläufe von COVID-19 ein. Ein Virus bestimmt unser Leben und Arbeiten und wird auch in Zukunft große Wirkung zeigen. Allerdings gibt es Phänomene, die durch das Virus nicht verschwinden, sondern im Gegenteil noch verstärkt werden. Dazu gehören die Interessensgegensätze und sozialen Bruchlinien, die unsere Gesellschaft durchziehen. Solchen Interessen gehen wir in dieser Ausgabe des Rundbriefs am Fallbeispiel der Meere nach.

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Dieser Rundbrief erscheint in turbulenten Zeiten – während wir uns an unsere Heimarbeitsplätze zurückziehen konnten und sozial distanzieren, richtet sich wenige hundert Meter von unserem Büro die Charité auf schwere Krankheitsverläufe von COVID-19 ein. Ein Virus bestimmt unser Leben und Arbeiten und wird auch in Zukunft große Wirkung zeigen. Allerdings gibt es Phänomene, die durch das Virus nicht verschwinden, sondern im Gegenteil noch verstärkt werden. Dazu gehören die Interessensgegensätze und sozialen Bruchlinien, die unsere Gesellschaft durchziehen. Solchen Interessen gehen wir in dieser Ausgabe des Rundbriefs am Fallbeispiel der Meere nach.

 

Die Zerstörung der Weltmeere schreitet voran. Wir alle wissen um die gigantischen Plastikstrudel, schrumpfende Fischbestände, den Raubbau in der Tiefsee, Massentourismus und seine Folgen oder unmenschliche Arbeitsbedingungen der Seeleute. Doch unter der Oberfläche brodelt es gewaltig. Denn oft ist weniger klar, wer hinter diesen ganzen Entwicklungen steht. Wer hat ein politisches und ökonomisches Interesse an der Ausbeutung der Meere und welche finanziellen Hintergründe hat dies und für wen?

 

Diesen Fragen gehen unsere AutorInnen in dieser Ausgabe auf den Grund. So zeigt Marie-Luise Abshagen am Beispiel der Plastikkrise eindrücklich, wie die Erkenntnis über dieses globale Umweltproblem nicht zu entscheidenden politischen Maßnahmen führt, obwohl es an Ideen und Zielen nicht mangelt. Auch auf dem Meeresboden wird derzeit einiges aufgewirbelt – Helen Rosenbaum wirft für Sie einen Blick unter die Oberfläche des Tiefseebergbaus. In aller Eile und ohne nennenswerte öffentliche Debatte sollen Standards für den Abbau mineralischer Rohstoffe der Ozeane auf den Weg gebracht werden. Doch unter Mangan, Kobalt oder Erz lagern die Interessen findiger Erdöl- und Bergbauunternehmen, übereifriger BürokratInnen und diverser Regierungen.

 

Ob auf dem Teller oder in Meeresökosystemen – Fische sind wichtig für die Meere und Mensch. Und doch kommen die Mitgliedstaaten der Europäischen Union ihrer Verpflichtung zur Einrichtung nachhaltiger Fanggrenzen nicht nach. Überfischung und illegale Rückwürfe sind noch immer Realität. Daher folgt Katja Hockun den großen Haien der deutschen Fischereiindustrie und findet Gräten in Brüsseler Hinterzimmern. Auch die Debatte über Lösungsansätze für die Klimakrise geht nicht spurenlos an den Meeren vorbei. Technologien zur Manipulation ganzer Ökosysteme werden immer stärker auf die politische Tagesordnung gesetzt. Doch hinter dem Geoengineering stecken nicht nur Technologiegläubigkeit, sondern auch sehr direkte kommerzielle bzw. ökonomische Interessen fossiler und anderer klimaschädlicher Industrien. Ob fehlgeleitete KlimaschützerInnen, gefährdeter Lebensraum, Arbeitsplätze – der Goldrausch in den sieben Weltmeeren hat längst begonnen. Aber die Schätze werden nicht gerecht aufgeteilt. Zeit zu meutern!

 

Treuen Leserinnen und Lesern ist es bereits aufgefallen: Der Rundbrief erstrahlt in neuem Gewand. Unser Grafiker hat gezaubert, wir meinen, dass die wie gewohnt tiefgründigen, informativen und kritischen Beiträge so noch zugänglicher geworden sind.

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