Rundbrief I/2016: Kampf um Land – Lebensgrundlage, Ökosystem

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Rundbrief I/2016: Kampf um Land – Lebensgrundlage, Ökosystem

 

Zielkonflikte – das ist so ein Politik-Wort, das man erst mal lernen und verstehen muss. Vornehmlich aus dem ökonomischen Kontext kommend, bedeutet es eigentlich ganz simpel: Es werden mehrere Ziele gesetzt, die nicht alle gleichermaßen voll erfüllt werden können. Logisch. Doch was meinen wir, wenn wir im Kontext internationaler Zusammenhänge von Zielkonflikten sprechen?

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Zielkonflikte – das ist so ein Politik-Wort, das man erst mal lernen und verstehen muss. Vornehmlich aus dem ökonomischen Kontext kommend, bedeutet es eigentlich ganz simpel: Es werden mehrere Ziele gesetzt, die nicht alle gleichermaßen voll erfüllt werden können. Logisch. Doch was meinen wir, wenn wir im Kontext internationaler Zusammenhänge von Zielkonflikten sprechen? Land ist da ein gutes Beispiel. Denkt man an Land, entstehen im Kopf zuerst vielleicht nur Bilder von einem Acker oder einer Wiese. Doch Land, das ist alles, wirklich alles, was die Erde ausmacht. Und die Interessen bzw. Ziele, was mit dem Land gemacht werden soll, könnten nicht vielfältiger sein: Anbau von Lebens- und Futtermitteln. Grund von Infrastruktur. Abbau von Rohstoffen. Erholungs- oder Schutzgebiet. Heilige Stätte. Kapitalanlage. Touristische Attraktion. Nationale Identifikationsfläche.

 

Was aber, wenn es über das gleiche Land unterschiedliche Vorstellungen gibt? Wenn Staat A und Staat B beide ein und dasselbe Land für sich beanspruchen? Wenn große Konzerne Land aufkaufen, um dort bestimmte Nahrungsmittel anzubauen, gleichzeitig aber Kleinbäuerinnen und Kleinbauern das Land bewirtschaften? Wenn UmweltschützerInnen zutrittsfreie Schutzgebiete einrichten, die schon von Menschen bewohnt werden? Die Anlage in Land die Altersvorsorge von Menschen in Europa und den USA unterstützt, die Menschen vor Ort aber immer ärmer werden lässt? BürgerInnen sich Freiflächen zur innerstädtischen Erholung erkämpfen, aber akuter Wohnungsmangel herrscht? Wir frisches Obst und Gemüse im Winter wollen, dies aber nur in wärmeren Ländern auf deren Boden anbauen können?

 

Zielkonflikte – das ist so ein Wort, das wir gerne nutzen. Das aber die weltweiten Auseinandersetzungen um Land stark verharmlost. Denn was wir tatsächlich beobachten, ist schon längst ein realer, dreckiger und unfairer Kampf. Bei welchem im Namen von Nahrungsmittel-produktion, Straßen- und Wohnungsbau, Konsumbefriedigung, Rendite, Energieerzeugung – aber auch Natur- oder Klimaschutz – vor allem die Starken, mit einflussreicher Lobby oder fettem Bankkonto, gewinnen. Und der allzu oft tödlich endet. Wie am vergangenem 3. März, an dem
die Aktivistin Berta Cáceres in Honduras ermordet wurde. Sie hatte sich für Indigene, deren Recht auf sowie Verbundenheit mit ihrem Land und damit gegen den Bau des Staudamms Agua Zarca eingesetzt, welcher beides direkt gefährdet. An dem Bau des Staudamms ist unter anderem die deutsche Firma Siemens beteiligt. Zielkonflikte um Land – wieder mal ein Beispiel dafür, wie wichtig es ist, dass wir unsere eigenen Privilegien und Lebensweisen hinterfragen, Politik, Unternehmen und unsere Gesellschaft zur Verantwortung ziehen – aber auch wie unglaublich schwierig die Schaffung globaler Gerechtigkeit in unserer komplexen Welt eigentlich ist.

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