Ethanol

Zuckerrübe (Foto: László Maráz)

Bioethanol (auch Agro-Ethanol) ist Alkohol, der durch Fermentation aus Zuckern mit Hilfe von Hefepilzenzymen gewonnen wird, und der ausschließlich aus Biomasse hergestellt wurde. Die Hefen vergären Zucker und Stärke zu Alkohol. Die Zucker können in der Pflanze in Form von Stärke (z. B. Getreidekorn, Kartoffel) oder Saccharose (z. B. Zuckerrübe, Zuckerrohr) gespeichert sein, oder sie dienen als Strukturbestandteile (z. B. Cellulose), die der Pflanze ihre Form und Stabilität verleihen. Ethanol kann darum auch aus pflanzlichen Abfällen, Stroh, Holz oder aus ganzen Pflanzen hergestellt werden (Cellulose-Ethanol). Die Herstellung von Lignocellulose-Ethanol-Prozessen befindet sich allerdings noch in der Entwicklung und wurde bislang nur im Testmaßstab realisiert. Bioethanol wird vor allem durch Vergärung von Saccharose aus brasilianischem Zuckerrohr oder Stärke aus Mais (v.a. in den USA), Roggen und anderen Getreidesorten gewonnen. Ethanol kann als Kraftstoffbeimischung in Mineralölderivaten für Ottomotoren (E5, E 10, E 85), als reines Ethanol (E100) oder zusammen mit anderen Alkoholen (z. B. Methanol als Biokraftstoff verwendet werden.

Diese Art der Herstellung erzeugt jedoch eine Konkurrenzsituation zum Lebensmittelmarkt. Darüber hinaus stehen die nur begrenzten Anbauflächen und die ökologischen Probleme bei der notwendigen Intensivierung der Landwirtschaft einer großflächigen Produktion von auf Stärke basierendem Ethanol entgegen. Angestrebt wird daher zunehmend die Nutzung von kostengünstigen pflanzlichen Reststoffen wie Stroh, Holzresten und Landschaftspflegegut oder von Energiepflanzen wie Chinaschilf (Miscanthus), die keiner intensiven landwirtschaftlichen Bewirtschaftung bedürfen und auch auf minderwertigen Böden wachsen.

Kritisch diskutiert wurde Ethanol vor allem mit der Einführung von E10. Hier standen zwar technische Fragen im Vordergrund, da die Verträglichkeit für Fahrzeugmotoren in Deutschland nicht bei allen Autos garantiert ist. Doch auch die Konkurrenz zur Nahrungsmittelerzeugung und die noch offene Frage, ob Bioethanol tatsächlich zur Minderung der Treibhausgasemissionen beiträgt, sind Gründe für die mangelnde Akzeptanz von E10 in der Öffentlichkeit. Einige Umwelt- und Entwicklungsverbände lehnen die Beimischung von Ethanol wegen der damit verbundenen Risiken kategorisch ab, andere fordern eine bessere Zertifizierung, um ökologische und soziale Probleme weitgehend zu vermeiden.

Das BMU hat hierzu das Faltblatt „Gute Gründe für mehr Bio im Benzin“ (1) herausgegeben, das zu den wichtigsten Fragen Auskunft gibt. Abschließende Bewertungen kann aber auch diese Information nicht bieten, denn hierzu wäre vor allem die Berücksichtigung indirekter Landnutzungsänderungen (ILUC, indirect land use change) durch die Nachhaltigkeitszertifizierung für Biokraftstoffe nötig. So lassen sich durch die Erzeugung von Ethanol aus brasilianischem Zuckerrohr im Vergleich zu fossilem Kraftstoff  die direkten Treibhausgasemissionen deutlich reduzieren. Inwieweit aber der Zuckerrohranbau andere Landnutzungen (z.B. Rinderweiden) in Regenwaldgebiete verdrängt, ist nicht leicht zu ermitteln. Solange die EU Kommission keine anwendbare Lösung für dieses Problem gefunden hat, können die ILUC-Effekte nicht in die Treibhausgas-Berechnung einbezogen werden.

Ein großer Teil des zur Beimischung verwendeten Ethanols kommt derzeit aus heimischer Produktion. Die Firma Crop Energies (Südzucker) betreibt in Zeitz die größte Bioethanolanlage (Kapazität: 280.000 Jahrestonnen), und die VERBIO AG (http://www.verbio.de/)  verfügt in Schwedt (200.00 t) und Zörbig (100.00 t) zwei große Anlagen. Im Jahr 2010 wurden in Deutschland 580.000 Tonnen Bioethanol erzeugt, was etwa die Hälfte des Verbrauches ausmacht. (2)

Quellen:

(1) www.erneuerbare-energien.de/inhalt/47665/47065/

(2) www.bdbe.de/Statistik_2010.html


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