Forum Umwelt & Entwicklung macht mobil gegen den Hunger
Forum Umwelt & Entwicklung macht mobil gegen den Hunger
Anlässlich des Welternährungsgipfels im Juni 2002 in Rom startet das Forum U&E eine Kampagne und ruft alle Mitgliedsverbände auf, diese Kampagne durch lokale Aktionen mitzugestalten und mitzutragen.
1. Die Idee:
Das Forum U&E überreicht Frau Ministerin Künast einen symbolischen Topf, der die aus unserer Sicht notwendigen Zutaten für eine erfolgreiche Bekämpfung des Welthungers enthält. Diese Zutaten stammen aus Aktionen, die lokale Gruppen der NGOs im Vorfeld durchgeführt haben. Durch diese hoffentlich vielfältigen und zahlreichen Aktionen wird das Thema Welthunger einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht. Mit der Übergabe des Topfes an Frau Künast werden die Aktionen quasi gebündelt und die Forderungen einzelner lokaler Gruppen an die höchste politische Ebene weitergeleitet.
2. Der politische Hintergrund
Auf dem Welternährungsgipfel 1996 einigten sich die 184 Teilnehmerstaaten darauf, die Anzahl der Hungernden von rund 800 Mio. Menschen auf die Hälfte zu reduzieren. Heute muss jedoch die für Hungerbekämpfung zuständige UN-Organisation, die FAO feststellen, dass sich an der Situation kaum etwas geändert hat und noch immer 826 Mio. Menschen nicht genug zu essen haben. Auf dem Welternährungsgipfel im Juni 2002 in Rom, wird nun erneut nach Möglichkeiten der Hungerbekämpfung gesucht. Die FAO setzt hierbei zunehmend auf Marktliberalisierung, Privatisierung und Gentechnik.
Ministerin Künast setzt sich für die Verabschiedung eines Verhaltenskodex zum Recht auf Nahrung ein und lädt im Mai 2002 zu einem Internationalen Workshop ein, der alle potentiell Beteiligten an einen Tisch bringen soll, also auch jene, die der Idee eines Verhaltenskodexes eher ablehnend gegenüberstehen, wie WTO, Weltbank, USA.
Da Ministerin Künast die Bundesregierung auf dem Welternährungsgipfel vertreten wird, überreichen wir ihr mit dem Kochtopf unsere Forderungen, die sie gegenüber den anderen Mitgliedstaaten und der FAO vertreten soll.
3. Mögliche Aktions-Themen
- Handelsliberalisierung
- Patentrecht
- Gentechnik
- Abbau der Agrarsubventionen
- Agrarreformen
- Landreformen
- Frauenförderung
- Ressourcenzerstörende Produktionsformen: Öl, Gold, Papier; Tropenholzabbau, etc.
- Klimawandel
4. Aktionsvorschläge:
Grundsätzlich sind Infostände, mit denen Ihr Eure allgemeine Arbeit, Projekte und Partnerorganisationen vorstellt oder auch Vorträge möglich.
Die folgenden Anregungen für Aktionen, eignen sich nur für Gruppen, die zu dem jeweiligen Thema schon arbeiten - anderenfalls ist wahrscheinlich der Rechercheaufwand zu groß.
Thema Landverteilung / Futtermittelanbau:
Auf dem Boden wird eine Europakarte gezeichnet. Die Außengrenzen Europas sind umzäunt. Innerhalb des Zauns sind Aktivisten mit Kuh oder Schweinemasken bzw. Kostümen und fressen. Außerhalb des Zauns stehen Menschen (BäuerInnen aus den Dritte Welt Ländern). Diese Menschen tragen Schilder zB. Maria Alvares, Bäuerin, 35 Jahre, landlos. Ich wurde für den Anbau von Soja für die Futtermittelherstellung durch der Firma xy von meinem Land vertrieben.
Dazu werden Flyer mit den entsprechenden Hintergrundinformationen an Passanten verteilt.
Thema Patente:
Straßenbäume mit Schildern behängen "Dieser Baum ist patentiert. Wenn Sie sich in den Schatten dieses Baumes legen wollen, stellen Sie zunächst einen Antrag bei der Firma xy und entrichten Sie eine Gebühr von € 5."
Dasselbe geht auch mit Grünflächen: "Wenn Sie sich auf die Wiese legen wollen..."
Oder Blumen "Wenn Sie sich an den Blumen erfreuen wollen...."
Ganz provokant wäre es, so eine Aktion am Obst- und Gemüsestand auf einem Wochenmarkt oder in einem Supermarkt durchzuführen. Man könnte die Kunden nach ihrem Einkauf ansprechen " Sie haben Gemüse gekauft? - ich muss leider noch eine Lizenzgebühr kassieren, da die Firma xy über das Patentrecht für diese Paprika verfügt."
Thema Teminator-Saatgut:
Man baut einen Tisch auf mit den üblichen Gartengemüsepflanzen, zB. Tomaten, Gurken, Salat etc. Auf einem großen Plakat steht: "Hier haben Sie die letzte Möglichkeit gentechnik-freies und nicht-patentiertes Gemüse für ihren eigenen Anbau zu erwerben. In Zukunft werden diese Gemüsesorten nicht mehr keimfähig sein und Sie müssen jedes Jahr neues Saatgut bei der Firma XY kaufen."
Thema Ressourcen-Zerstörung
- Protest-Aktion vor Tankstellen
- Tropenholz: Falls eine Kommune/ Gemeinde Tropenholz für öffentliche Gebäude verwendet hat (Brücken, Fenster, Bänke), Protestaktion durchführen: "Gemeinde xxy trägt zur Ausbreitung des Hungers in der Dritten Welt bei"
5. Wie kann eine Zutat für den Kochtopf aussehen?
Aus jeder Aktion soll eine zentrale Forderung formuliert und symbolisch dargestellt werden. Dieses Symbol wird dann später eine Zutat für den Kochtopf.
Reis = kein Patent auf Leben
Mais = keine Gentechnik
Kotelett, Pfirsich (aus Pappmachee!) = Abbau der Agrarsubventionen
Ein Beutel mit Erde, ein Stück Kunstrasen mit einem Zaun = Landreform
Schultafel = Bildung für Frauen
Geldschein = 0,7 % des BIPs für Entwicklungshilfe
Gummistiefel, Boot = Überschwemmungen, Klimawandel
Vertrocknete Pflanze (Weizen, Hirse etc) = Dürre, Klimawandel
6. Was bietet das Forum U&E?
Zur inhaltlichen Vorbereitung:
- Broschüre: "Der internationale Agrarhandel und die Entwicklungsländer" (34 Seiten DINA4)
- Forderungskatalog
Finanzielle Unterstützung:
(Vorbehaltlich der Förderung der Kampagne durch BMZ und GTZ):
für 20 lokale Gruppen je € 200. Die Gruppen müssen das Geld auslegen. Bei Einreichung der Belege, bekommen sie das Geld erstattet. Einreichen der Belege spätestens bis 10. Juni 2002.
Sonstiges Material:
- Muster-Pressemitteilung
- PowerPointPräsentation zum Thema Welternährung, geeignet für Vortrag von ca. 1,5 Stunden
- Plakatserie, mit Platz um lokale Veranstaltungen anzukündigen
- Flyer "Den Hunger beenden - Das Menschenrecht auf Nahrung durchsetzen"
- Flyer: "Schluss mit dem Terminatorsaatgut"
- Flyer zum Verhaltenskodex
7. Zeitplan
Bis 15. April erste Rückmeldungen an Annette Littmeier (Koordinatorin)
13. - 25. Mai lokale Aktionen
erste Juni-Woche Übergabe des Topfes an Frau Künast
8. Kontakt:
Forum Umwelt & Entwicklung
Annette Littmeier
Neue Hochstr. 55
13347 Berlin
Tel: 030 - 462 34 33
littmeier@yahoo.de





